Nature is a haunted house

Nature is a haunted house – but Art – is a house that tries to be haunted.

- Emily Dickinson

Ich liebe Emily Dickinsons Lyrik (das Thema meiner Examensarbeit im ersten Staatsexamen lautete "Welt- und Existenzdeutung im lyrischen Werk Emily Dickinsons").

Die Natur ist ein Geisterhaus - aber Kunst - ist ein Haus, das versucht, ein Geisterhaus zu sein. (meine Übersetzung)

 

Die Aussage ... "ist nicht abwertend gegenüber der Kunst gemeint. Vordergründig sagt sie, dass die Kunst die Natur imitiert. Aber die Implikationen dieser lyrischen Zeile geht tiefer. Für Dickinson ist die Natur eine Wohnstätte, spukhaft und geheimnisvoll, bevölkert mit Gottes Geschöpfen, inmitten der Phänomene die Gott schafft and reguliert [...]"  http://www.nku.edu/~emily/bradshaw.html

'Nature is a haunted house' impliziert, dass die Natur mit Mysterien und falschen Zeichen angefüllt ist, die den Menschen über den Sinn der Dinge in der Natur und Gottes Willen im Erschaffen der Natur täuschen. Der zweite Teil des Satzes offenbart die Rolle des Dichters. Der Dichter soll nicht einfach die Natur wiedergeben, sondern den Charakter der Macht Gottes in der Welt herausarbeiten.  (s. http://www.sparknotes.com/poetry/dickinson/themes.html)

Zu diesen Interpretationen möchte ich noch meine eigenen Gedanken hinzufügen. Ein Haus wird von einem Erbauer errichtet. Wir als Menschen müssen uns dieses Haus, das uns Gott zur Verfügung stellt, zum Heim machen. "Haunted" heisst für mich nicht nur mysteriös und übernatürlich (etwas, das man nicht vollständig erklären kann, das nie ganz greifbar ist) sondern auch Geist enthaltend, "beseelt". Ein Ort erfüllt mit Leben, mit Seelen und den "Geistern der Vergangenheit".

Das Bemühen des Künstlers liegt darin, sein eigenes Geschöpf, sein "Haus" bzw. seine Kunst lebendig zu machen, zu "beseelen", indem er oder sie den Betrachter in seiner Seele berührt und ihn so tiefer leben lässt. Die Natur ist per se beseelt. Kunst wird erst lebendig, wenn sie erschaffen und durch die Kommunikation mit dem Betrachter "beseelt" wird.

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